Kategorien
Elternratgeber

Kindern mehr zutrauen

Erziehungsgeheimnisse indigener Kulturen

stressfrei-gelassen-liebevoll

Michaeleen Doucleff

(unbez. Werbung/Rezension)

Was für ein fröhliches Mädchen, das einen vom Cover dieses Buches anstrahlt. Man möchte direkt zurücklächeln und es weckte direkt den Wunsch mir, die Botschaft des Titels umzusetzen. Generell bin ich ein Mensch, der Kindern gerne etwas zutrauen und wenig bevormunden will. Es war früh wichtig, meine Tochter ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen und ihre Selbständigkeit zu fördern. Erziehungsratgeber habe ich wenige gelesen. Die wenigen die ich mir angeschafft habe, waren von der Montessori-Pädagogik inspiriert und der eine oder andere von Jesper Juul war auch dabei. Bei ihm schätze ich ebenfalls die respektvolle und wertschätzende Sicht auf das Kind.

Trotz aller Bemühungen komme auch ich immer wieder mal an einen Punkt, an dem ich vieles hinterfrage und das Gefühl habe, alles läuft aus den Bahnen. Unzufriedenheit, Wutanfälle und Stress stehen plötzlich im Weg und man fragt sich, was gerade falsch läuft. Besonders schlimm finde ich es, wenn einem der Geduldsfaden platzt und man laut wird oder das Kind anschreit.

Der Journalistin Michaeleen Doucleff ging es wohl nicht anders und sie stellte irgendwann fest, dass die Beziehung ihrer Tochter Schaden nimmt. Sie lebten nicht als Team, eher sah sie das Kind als kleine Feindin an, die ihr alle Kraft raubte. Sie bemerkt, dass sie sich unentwegt für die Bespaßung ihrer Tochter zuständig fühlt und fast schon gezwungen wird ständig neue Aktivitäten zu planen, damit ihr Kind friedlich und beschäftigt ist. Denn wäre dem nicht so, droht Chaos. Das alles kostet sie so viel Kraft und bringt mehr Zweifel in ihr auf. So machte sie sich eines Tages mit ihrer Tochter auf den Weg zu drei indigenen Kulturen, um zu den Ursprüngen der Kindererziehung zurückzufinden und Antworten auf ihre Fragen zu finden. Sie reist zu den Mayas, den Inuit und den Hazda.

Die Autorin interviewt diese Familien nicht nur, sondern lebt mit ihnen zusammen und lernt von verschiedenen Generationen.

Ich fand diese Vorstellung wahnsinnig interessant. Schon oft habe auch ich mir die Frage gestellt, wie diese Kinder und Familien leben. Immer wenn ich eine Reportage im Fernsehen über diese Kulturen sah, wunderte ich mich wie ausgeglichen und zufrieden die Kinder wirken, obwohl sie so wenig besitzen. Sind sie auch schon mal hyperaktiv, langweilen sie sich oder haben sie Wutanfälle, so wie viele Kinder in der westlichen Welt?

Dieses Buch gibt Antworten darauf und es ist wirklich besonders. Ich würde es auch nicht als Erziehungsratgeber sehen, sondern eher als einen Erfahrungsbericht, aus dem man so viel für sich mitnehmen kann.

Es gibt nicht nur einen neuen Blick auf unsere Erziehungskultur, es legt wahrlich den einen oder anderen innerlichen Schalter um und verändert die Sichtweise und bringt einiges wieder ins Bewusstsein zurück.

Mit 384 Seiten gibt es einiges zu lesen und dennoch wollte ich dieses Buch am liebsten nie aus der Hand legen. Es ist informativ und spannend und bringt so viele Gedanken ins rollen, dass ich mich auch nach dem Lesen noch lange damit auseinandersetzen werde.

Was besonders deutlich wird ist die Tatsache, dass Erziehung immer eine Mehrgenerationenaufgabe war und nie alleine auf einer Mutter oder Kernfamilie lastete. Ein Kind kann so viel lernen, wenn verschiedene Generationen verfügbar sind und ein stabiles Netz besteht. Und dabei lernt es nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von anderen Kindern, die vielfältige Aufgaben übernehmen. Und es lernt auch dadurch, dass es schon sehr früh in familienzentrierte Aufgaben einbezogen wird und sich nicht alles um kindzentrierte Bespaßung dreht.

„Nehmen Sie sich täglich eine Auszeit, in der Sie ihr Kind weder unterhalten, noch ihm Anweisungen geben.“

Hier wird deutlich, wie sich die Familie als funktionierendes Team versteht und diese Werte auch an die Kinder weiter gibt. So ist die Erfahrung der Autorin beispielsweise die, dass die Maya besonders hilfbereite und koopertative Kinder haben. Bei den Inuit lernt sie sehr viel über den Umgang mit Wut.

Team, was bedeutet das?

Teamwork

Ermutigung

Autonomie

Minimales Eingreifen

Diese Sichtweise spricht mich sehr an. Jede Familie sollte sich diese kleine Gedankenstütze gut sichtbar irgendwo aufhängen, denn es vereinfacht so viel.

Ich ertappte mich in diesem Buch sehr oft dabei, dass ich bestimmte Ansätze auch aus der Montessoripädagogik kenne und werschätze und dabei wieder daran erinnert wurde, dass viele dieser Sichtweisen auch im Alltag so schnell vergessen werden.

Man sollte achtsamer sein, in dem was man tut und wie man spricht um eine gute Beziehung zu seinem Kind zu finden und zu erhalten.

Beachtenwert empfand ich das in sich Ruhen, das alle diese indigenen Völker zu leben scheinen. Erwachsene, die Kind anschreien gelten als unreif, sie werden ausgelacht. „ Schau, er benimmt sich wie ein Kind!“

Schreie nie ein Kind an! Kinder die oft angeschrien werden hören nicht mehr zu. Wie wahr. Wenn es doch immer so einfach wäre. Mit etwas Übung vielleicht schon. Vielleicht reicht es schon, die Sichtweise auf das Kind zu ändern, die emotionale Intelligenz nicht zu überschätzen.

Was deutlich wird ist auch der Schwall an Redefluss, der in der westlichen Kultur auf Kinder eiprasselt. Sie sind von morgens bis abends Anweisungen und Verbesserungen ausgesetzt. Weniger Worte, dem Kind mehr zutrauen und zur eigenen Ruhe zurückfinden können so viel bewirken.

Das alles und noch viel mehr fasst die Autorin am Ende jedes Kapitels in wertvollen, alltagstauglichen Tipps zusammen, so dass man immer wieder reinlesen kann ohne den Überblich zu verlieren.

Sicher passt nicht alles für jeden gleichermaßen, manches mag man anders sehen oder nochmal hinterfragen. Aber alles in allem ist dies ein wunderbares Buch aus dem man sehr Wissen und Hilfe herausziehen kann.

Es ist sehr gut recherchiert, zum Teil mit wissenschaftlichen Hintergrundinformationen.

Die Autorin erzählt von ihren Erfahrungen mit ihrer eigenen Tochter und spricht hauptsächlich Mütter an . Der Vater oder die Kernfamilie als Ganzes, egal in welcher Form findet dadurch in diesem Buch keine besondere Erwähnung. Man könnte dies als Kritikpunkt anbringen, mich persönlich störte dies aber nicht.

Mir hat dieses Buch sehr viel gegeben und die Inhalte werden noch lange nachwirken. Ich möchte es allen Eltern sehr ans Herz legen, dieses Buch zu lesen.

Herzlichen Dank an den Kösel Verlag und das Bloggerportal für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.

Buchdetails:

Autorin: Michaeleen DoucleffHerausgeber: Kösel Verlag

Herausgeber: Kösel Verlag

Seitenzahl: 384 Seiten

Preis: 22,00€

Gem. § 2 Abs. 5 kennzeichne ich meine Beiträge als Werbung. Verlinkungen zu Verlagen und Autoren dienen informativen Zwecken.

Kategorien
Elternratgeber für Große

Harmlos oder brandgefährlich?

Zu Beginn meines Berufslebens habe mit Suchtkranken gearbeitet, aber seitdem sind schon viele Jahre vergangen und ich habe nach einem Buch gesucht,  mit dem ich mein Wissen auffrischen und auf den neuesten Stand bringen kann.  Besonders interessierte mich der Suchtmittelmissbrauch und deren Folgen bei Jugendlichen. 

Bei meiner Recherche habe ich dieses schöne Buch entdeckt. Vielen Dank an Netgalley und den Klett–Cotta Verlag für das elektronische Leseexemplar, das mir im Gegenzug für eine ehrliche Meinung zur Verfügung gestellt wurde.

{Rezension}Dieses kompakte Buch hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Der Autor Florian Bredt hat mit seinem Buch einen praktisch orientierten Ragtgeber verfasst, in dem alle gängigen Suchtmittel von den verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Er war selbst als Stationstherapeut aus einer Suchtstation tätig und konnte daher nicht nur theoretisches Fachwissen, sondern auch seine praktische Erfahrungen in dieses Buch einbringen, das hat mir besonders gut gefallen. Dabei hat er die einzelnen Themen auch für Fachfremde absolut verständlich erklärt.

Das Buch und die einzelnen Kapitel sind sehr übersichtlich aufgebaut. Jedes Kapitel enthält vorab eine kurze Zusammenfassung dessen, worüber der Autor informieren möchte. So kann man sich schnell einen ersten Überblick verschaffen, wenn man etwas nachlesen möchte. Der Leser bekommt am Anfang ein allgemeines Verständnis und lernt die wichtigsten Modelle über die Entstehung von Sucht kennen. Im Anschluss werden die verschiedenen Drogen und ihre Wirkungen dargestellt. Dabei erfährt man auch interessante Details über die kurzfristigen (positiven) Effekte und langfristigen negativen Folgen des Konsums bei Heranwachsenden.

Dabei wird deutlich, dass die Konsequenzen sehr viel gravierender sein können, als man denkt. Insbesondere die Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns hat mich sehr beeindruckt. Dies unterlegt er eindrucksvoll mit einer Metapher aus (Schneider 2010):

„Drogen wirken sich bei regelmäßiger Zufuhr auf das Gehirn so drastisch aus wie eine Besetzungsmacht auf ein fremdes Land: sie setzen die Regierung ab, nehmen die zentralen Funktionen des Landes in die Hand und machen diemBevölkerung von ihrer Anwesenheit abhängig.“

Das häufigste Suchtmittel bei Jugendlichen ist Cannabis. Auch hier wird deutlich, wie sehr die Jugendlichen mit der Beschaffung, Konsum und allem was damit zusammenhängt beschäftigt sind und welche Folgen dies z.B. auf das Lernen und ihre schulische Entwickung hat.

Eine Tatsache, die auch oft unterschätzt wird und die ich für ausgesprochen wichtig halte, sind die begleitenden psychischen Erkrankungen. Der Autor selbst hat während seiner praktischen Tätigkeit feststellen müssen, dass „eigentlich jeder Jugendliche eine begleitende psychische Erkrankung hatte,“ wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

Auch der Weg aus der Sucht, verschiedene Anlaufstellen und Hilfsangebote werden in diesem Ratgeber erläutert. Es gibt hilfreiche Tipps zum Umgang mit betroffenen Jugendlichen. Dabei geht es nicht um das typische „Verteufeln“ von Drogen, sondern der Autor zeigt wie man gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufbauen kann und so eine erfolgsversprechende Möglichkeit findet, sein Kind auf dem Weg aus der Sucht zu begleiten. Hierzu stellt er sogar verschiedene Arbeitsblätter zur Verfügung, eine Notfallkarte und weitere Quellen, bei denen man sich Informationen und Hilfe holen kann.

Fazit:

Dies ist ein tolles Buch über ein sehr wichtiges Thema, das ich allen Eltern nur empfehlen kann. Dabei schließe ich auch denjenigen ein, deren Kinder keine Drogen konsumieren, denn es ist äußerst wichtig gut informiert zu sein. So hat man eine solide, fachliche Grundlage, die sicher auch dabei hilft, den Konsum rechtzeitig zu bemerken und „richtig“ zu reagieren.

Unbedingt erwähnen möchte ich auch, dass der Autor in diesem Werk die Möglichkeit bietet, ihn zu kontaktieren. Herzlichen Dank dafür und für diesen aufschlussreichen und hilfreichen Ratgeber.

Ich gebe diesem Buch

5 Sterne

Buchdetails:
Autor: Florian Bredtm
Herausgeber:Klett-Cotta
Seitenzahl: 160 Seiten
Preis: 18,00

Gem. § 2 Abs. 5 kennzeichne ich meine Beiträge als Werbung. Verlinkungen zu Verlagen und Autoren dienen informativen Zwecken.