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Allgemein Kinderschutz Ratgeber für Eltern

Kinder beschützen!

Sexueller Missbrauch – Eine Orientierung für Mütter und Väter

(Werbung/ Rezensionsexemplar)

In den letzten Wochen habe ich euch schon einige Kinderbücher vorgestellt, die Kindern helfen sollen, ihre Gefühle achtsam wahrzunehmen, ernst zu nehmen und Grenzüberschreitungen zu erkennen und abzuwehren. Ich habe diese Bücher als Mama immer sehr hilfreich empfunden um mit meinem Kind ins Gespräch zu kommen. Auch die eine oder andere Broschüre für Eltern war mir ein guter Ratgeber. Durch den intensiveren Umgang mit dem Thema habe ich aber auch festgestellt, dass ein kompakter Ratgeber für Eltern eine tolle Ergänzung wäre, denn hier gibt es noch viele Fragen und Unsicherheiten. Ich glaube gerade dann, wenn eine Situation eintritt, die man nicht erwartet, sind viele Eltern verständlicherweise schnell überfordert. Aber genau so ist es doch im realen Leben. Man erwartet nicht, dass es einen selbst -bzw. das eigene Kind trifft. Die meisten setzen sich erst dann mit dem Thema Missbrauch auseinander, wenn es zu einem Übergriff gekommen ist oder ein Verdacht besteht. Und dann fehlt das Wissen, wie sie mit der Situation umgehen können.

Gerade in den letzten Monaten sind viele grausame Verbrechen an Kindern in den Medien publik geworden. Sie haben schockiert und betroffen gemacht und der Wunsch, sein Kind zu schützen wird jede Mutter und jeder Vater verspüren. Natürlich kann ein Ratgeber keine Sicherheit bieten , aber manches scheint doch nicht ganz so fremd und unwirklich, wenn man sich vorher bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Carmen Kerger-Ladleif hat im Verlag Mesbes & Noack einen hervorragenden Elternratgeber herausgebracht. „Kinder beschützen! Sexueller Missbrauch- eine Orientierung für Mütter und Väter“ bietet für viele Situationen eine hilfreiche Stütze. In 10 Kapiteln findet man sehr viel fundiertes Fachwissen, aber auch praxisrorientierte Hilfestellungen, die sich im Alltag anwenden lassen.

Sehr gut finde ich, dass zu Beginn des Buches zunächst darauf hingewiesen wird, dass es wichtig ist, Kindern ein gutes Gefühl zum Thema Körper und Sexualität zu vermitteln. Bevor Kinder gewarnt werden sollen sie wissen, dass Berührungen schön sind. Denn Kinder brauchen Nähe, Berührungen und Körperkontakt und sollen dies nicht mit negativ behafteten Gefühlen verbinden.

Behutsam zeigt die Autorin, wie man mit Kindern ins Gespräch kommt und eine vertraute Beziehung aufbauen kann, die frei von Angst ist. Es folgen Informationen über Formen des sexuellen Missbrauchs, die trautmatischen Folgen, die häufigsten Täterstrategien sowie Ratschläge, wie der Missbrauch erkannt werden kann.

Einen großer Bereich deckt das Thema Prävention ab, die nicht wie ein Kapitel in der Erziehung abzuhaken ist, sondern eine dauerhaftte Erziehungshaltung, die sich fortlaufend wie ein roter Faden durch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern zieht. Sei es dadurch, sein Kinder immer wieder zu bestärken seinen eigenen Gefühlen zu vertrauen, Selbstbehauptungskurse und den Mut laut und deutlich nein zu sagen oder eine vertrauensvolle Beziehung zu erhalten. Es wird ebenfalls nicht außer Acht gelassen, wie Eltern bei der Wahl eines Vereins oder einer Kinderfreizeit im Vorfeld wichtige Punkte überpüfen können. Dazu wird eine Checkliste vorgestellt, an welchen Kriterien Institutionen gemessen werden können, die Angebote für Kinder vorhalten.

Ein Thema, das zumindest bei mir bisher gar nicht so sehr im Hinterkopf war, ist die Tatsache, dass auch Kinder untereinander sexuell übergriffig werden und die Täter selbst noch Kinder sind. Sei es durch sexuelle Übergriffe im Kindergarten und in der Schule aber auch in der Familie unter Geschwistern. Hier gilt es sensibilisiert zu sein, genau hinzusehen und Warnsignale zu erkennen.  Auch sexualisierte Gewalt gegen behinderte Menschen wird im Buch angesprochen.

Besonders wichtig empfinde ich auch die Informationen zu Tätern (Täterinnen) und ihren Strategien, die ebenfalls in diesem Buch ihren Platz finden. Hier wird deutlich, dass auch Eltern nicht vor den Manipulationen der Tätern sicher sind. Die Autorin zeigt, welche Rolle die Eltern spielen und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Sie geht auch auf die besondere Rolle und die Gefühle der Väter ein, hier finden sich ebenfalls Aspekte, die mir persönlich vorher nicht so bewusst waren. Ich finde es sehr gut, dass Vätern hier eine besondere Rolle beigemessen wird.

In einem weiteren Kapitel werden die neuen Medien etwas genauer unter die Lupe genommen. Sie sind für Mädchen und Jungen längst Alltag, aber auch ein„neuer Tatort“ .Die möglichen Gefahren für Kinder werden ausführlich dargestellt.

Ausführungen zur Traumatisierung von Kindern und die Kraft der Resilienz runden das Buch ab.

Fazit

Dieses vielseitige und verständliche Buch überzeugt mich voll und ganz. Die Informationen, die es bereithält sind fachlich fundiert und werden so dargestellt, dass man sie gut nachvollziehen und für den täglichen Gebrauch nutzen kann. Man merkt, dass die Autorin auf vielfältige Praxiserfahrungen zurückgreifen kann. Dirk Bange merkt im Vorwort an, dass dieses Buch eine zentrale Forderung aus der Präventionsforschung im Bereich sexueller Missbrauch bietet: es stellt die Eltern und deren Handlungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt, es bietet sachliche und fundierte Informationen und gibt ihnen konkrete Hilfestellungen, die Alltag anwendbar sind. Es ist darüber hinaus sicher auch sehr gut für Einrichtungen nutzbar, die mit Kindern, Jugendlichen und Eltern arbeiten.

Kleine Fotos, Illustraionen und Zitate nehmen diesem sensiblen Thema etwas Schwere und machen es zu einem hervorragenden Begleiter. Die Beiträge von Wiro Nestler aus polizeilicher Sicht sowie weitere Literaturempfehlungen machen dieses Buch für mich vollständig und absolut empfehlenswert.

Ich glaube, ALLE Eltern tragen die Verantwortung sich mit dem Thema Missbrauch frühzeitig auseinanderzusetzen und alles menschenmögliche zu tun, ihr Kind bestmöglich vor körperlich und sexuellen Grenzüberschreitungen zu schützen. Natürlich bietet auch die beste Prävention und der beste Elternratgeber keinen vollständigen Schutz, aber jede gute Aufklärung und Information, die ich selbst habe und meinem Kind mitgebe, kann im Einzelfall helfen. Sei es, dass das Kind die Situation unangemessenen Verhaltens richtig einschätzt, dass es wegläuft und sich Hilfe holt, oder dass es sich einer nahestehenden Person anvertraut.

Täter profitieren davon, wenn Eltern und Kinder unvorbereitet sind.

Wie kann ich mein Kind schützen? In erster Linie dadurch, dass ich selbst gut informiert bin und dieses Wissen und die Sensibilität gegenüber diesem Thema an mein Kind weitergebe.

Ich möchte dieses Buch allen Eltern und Interessierten sehr ans Herz legen.

Herzlichen Dank an den Verlag Mebes&Noack für dieses besonders wertvolle Rezensionsexemplar.

Buchdetails:
Autorin: Carmen Kerger-Ladleif
Herausgeber:
Verlag mebes&noack
Seitenzahl: 180 Seiten
Preis: 19,90 €

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Mutmachmärchen

Wie sich Mädchen und Jungen gegen sexuellen Missbrauch wehren können

{Rezension/unbezahlt}Dieses besondere Buch habe ich in unserer Stadtbibliothek entdeckt. Es ist nicht einfach nur ein Ratgeber, es ist dient dazu mit Kindern zwischen vier und zehn Jahren das Thema Missbrauch auf einfühlsame Weise zu erarbeiten. Die Autorin will mit diesem Buch Eltern und Pädagogen ein Hilfsmittel bieten und das ist ihr auf jeden Fall sehr gut gelungen. Märchen, die für Mädchen und Jungen jeweils unterschiedliche Botschaften vermitteln, erklären Kindern was sexueller Missbrauch ist. Dies macht sie sensibel und befähigt sie, Missbrauch zu erkennen, die passenden Worte dafür zu finden und Hilfe zu suchen. Das Thema findet in den Märchen durch Hexen, Zauberer, Prinzen, Prinzessinnen, Bären und Monster kindgerechte Protagonisten.

Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, einem sogenannten pädagogischen Hintergrund. Danach folgt jeweils ein Märchen für Jungen und eins für Mädchen, sowie Arbeitshinweise. Diese geben Anreize mit Kindern die Geschichte im Gespräch zu vertiefen oder auch im Spiel zu thematisieren. Besonders gelungen finde ich, dass die Betroffenen in den Geschichten auf unterschiedliche Art Unterstützung finden.

Die Botschaften der Märchen und der Arbeitsanregungen sind:

  • Dein Körper gehört dir – sage deutlich Nein, wenn dir Berührungen anderer unangenehm sind!
  • Wenn dir ein Erwachsener schlechte Geheimnisse aufzwingen will, tut er das, weil diese Dinge verboten sind!
  • Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche!

Besonders schön und wichtig fand ich die Botschaft, dass Kinder ihren eigenen Gefühlen trauen sollen und keine Schuld tragen! Kinder werden ermutigt, keine Angst zu haben, schlechte Geheimnisse weiter zu erzählen. Besonders wichtig auch mit dem Kind zu erarbeiten, welchen Personen es sich bei Bedarf anvertrauen könnte.

Die Autorin macht in ihren Märchen und dem Begleittext klar, dass Missbrauch in den meisten Fällen durch nahestehende Personen erfolgt und nicht durch den geheimnisvollen Fremden. Was ich gut fand ist, dass auch eine Frau als Täterin gezeigt wird. Ich glaube, dass viele Kinder Frauen nicht bewusst als Täterinnen wahrnehmen.

Sehr hilfreich fand ich auch die Erklärungen zur Reaktion von Jungen auf sexuellen Missbrauch sowie die Hinweise, dass Jungen unter rollentypischen Ängsten leiden und wie man sie bei deren Aufarbeitung unterstützen kann.

Die Autorin geht auch auf versteckte Hinweise von Kindern ein. Erwachsene verstehen oder begreifen diese leider oft nicht als solche, hier muss man sensibel und aufmerksamer werden. Sie macht deutlich, dass jeder, der mit Kindern das Thema Missbrauch bespricht bzw. mit diesem Buch arbeitet, sich als Ansprechpartner für betroffene Kinder anbietet und somit bereit sein muss, auch weitere Schritte zu unternehmen, falls ein Kind sich anvertraut.

Im Buch findet man jeweils acht Märchen für Mädchen und Jungen, die sehr unterschiedliche Erlebnisse sexueller Übergriffe abdecken. Mir ist es teilweise schwer gefallen, mich damit auseinanderzusezten. mit und kann betrofffenen Kindern den Wortschatz und den Mut vermitteln, über sexuellen Missbrauch zu sprechen.

Es endet mit einem Selbstbestimmungsbogen, der mit Kindern erarbeitet werden kann. Verschiedene Fragen werden dort mit dem Kind besprochen, z.B. wer darf mit dir kuscheln? Wer soll das nicht tun?

Fazit: Während des Lesens entdeckte ich viele Parallelen zu dem, was ich bereits auf einer Aufklärungsveranstaltung zum Thema sexueller Missbrauch erfahren habe. Durch die Märchen wurde mir die perfide Vorgehensweise der Täter und die manipulativen Taktiken, mit denen sie Kinder unter Druck setzen, wieder vor Augen geführt. Ich fand es gut, dass die Themen aus der Realität gegriffen sind, so geht im Buch z.B. um einen Trainer im Verein, der komische Spiele spielt, um ein Kind, das sich Pornos anschauen muss oder einen Fremden, der Kinder fotografieren möchte und ihnen Geld anbietet. Dieser Realitätsbezug macht das Buch zu einem praktischen Arbeitsmittel. Mir fiel es dadurch zeitweise schwer, mich mit den Geschichten auseinanderzusetzen, die Begrifflichkeiten, auch in verkindlichter Sprache und die Vorstellungen, die diese weckten, empfand ich oft als schwere Kost und ich fragte mich, was es in einem Kind auslöst, so detailiert über sexuelle Handlungen zu sprechen. Ich stelle es mir gerade bei sehr kleinen Kindern schwierig vor, da das Buch ja bereits ab 4 Jahren empfohlen wird. Dennoch möchte ich dieses persönliche Empfinden nicht als Wertung nehmen, denn das Thema an sich ist hart, es ist schwer, es weckt unangenehme Gefühle. Trotzdem ist es notwendig sich damit auseinanderzusetzen und darüber zu sprechen, auch mit kleineren Kindern. Denn auch sie können leider Opfer werden und müssen einfühlsam aufgeklärt werden um zu verstehen, was richtig und was falsch ist. Ich denke, dass dieses Buch einen sehr guten Ansatz bietet, das Thema zu bearbeiten und jeder für sich, sich die Märchen und Arbeitshinweise heraussuchen kann, mit denen er gut zurechtkommt. Es ist jedem freigestellt, manche Formulierung in eigener Sprache wiederzugeben, wenn es ihm dadurch leichter fällt mit dem Thema umzugehen. Es ist sicher ein hervorragendes Buch auch für die Aufarbeitung mit Kindern, bei denen man einen sexuellen Missbrauch vermutet, denn es bietet unzählige Fragestellungen und lässt auch Kinder aktiv teilhaben, in dem man sie nach Empfindungen und Lösungsmöglichkeiten befragen kann.

Wer sich mit dem Thema Missbrauch intensiver auseinandersetzen möchte findet mit diesem Ratgeber sicher eine wertvolle Hilfe. Vielleicht macht es vor dem Kauf Sinn, sich dieses Buch zunächst auszuleihen oder in Ruhe beim Buchhändler des Vertrauens anzuschauen, denn ich glaube, dass es sehr individuell ist, wie die Märchen wirken und ob man sich vorstellen kann, damit zu arbeiten.

Autorin: Irmi Hochheimer
Herausgeber: Beltz
Seitenzahl: 144
Preis: 9,95

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